Radiosynoviorthese
Die Radiosynoviorthese ist eine seit über 50 Jahren bewährte Therapiemethode, mit der chronisch entzündliche Gelenkerkrankungen lokal behandelt werden, d.h. nur dort, wo die Entzündung vorliegt. Der Begriff Radiosynoviorthese (kurz RSO) wird abegeleitet von den lateinischen bzw. griechischen Worten ’radius’ (Strahl), ’sysnovialis’ (Gelenkinnenhaut) und ’orthesis’(Wiederherstellung). RSo bedeutet also die Wiederherstellung der Gelenkschleimhaut durch radioaktive Strahlung.
Was spielt sich im chronisch entzündlichen Gelenk ab?
Bei chronisch entzündlichen Gelenkerkrankungen ist die Gelenkinnenhaut dauerhaft entzündet. Oft wuchert sie zottenartig und sieht dabei einer Seeanemone ähnlich. Die Entzündung kann unterschiedliche medizinische Auslöser bzw. Ursachen haben. Stoppt man die Entzündungsprozesse nicht rechtzeitig, werden mit der Zeit weitere wichtige Gelenkstrukturen wie Knorpel oder Knochen geschädigt oder sogar zerstört.
Welche Gelenke können mittels der RSO behandelt werden?
Für die RSO stehen drei „Strahler” (Radionuklide) mit unterschiedlicher Reichweite bzw. Energie zur Verfügung. Die Gelenkgröße bestimmt die Wahl des Radionuklids. Alle eingesetzten Strahler sind sogenannte Betastrahler. Sie haben nur eine geringe Reichweite und wirken nur innerhalb des behandelten Gelenks. Behandelt werden können Knie−, Schulter−, Ellbogen−, Hand−, Hüft- und Sprunggelenke sowie Finger− und Zehengelenke. Eingesetzte Radionuklide sind Yttrium−90, Rhenium-186 und Erbium−169.Radionuklide = instabiler Nuklid/Zellkern ( lat. nucleus =Zellkern) eines Elements, das einem spontanen Zerfall unterliegt und dabei radioaktive Strahlung von sich gibt, die therapeutisch genutzt werden kann.
Ist die Strahlung gefährlich?
Wegen der kurzen Reichweite trifft die Strahlung nur die kranke Gelenkschleimhaut. Das angrenzende gesunde Gewebe erreicht sie nicht, so dass hier keine Schäden entstehen können. Zudem stellt die kurze Halbwertszeit der entsprechenden Radionuklide sicher, dass in ihrem Körper bereits nach wenigen Tagen keine Radioaktivität mehr nachweisbar ist. Die Strahlenbelastung für Ihre Umgebung ist daher ebenfalls gering. Daher darf die RSO auch ambulant durchgeführt werden.
Welche Voruntersuchung gibt es?
Der RSO geht eine Voruntersuchung in der nuklearmedizinischen Praxis voraus, bei der anhand einer Gelenkszintigraphie (hochempfindliche Methode zum Nachweis von entzündlichen Prozessen im Gelenk) überprüft wird, ob die RSO erfolgsversprechend eingesetzt werden kann. Zu Untersuchungsbeginn wird dem Patienten ein schwach radioaktiv strahlendes Arzneimittel gespritzt. Die Strahlenbelastung ist nur minimal. Dieses Mittel reichert sich vermehrt in den entzündlichen Gelenken an. Wenige Minuten nach der Injektion werden mit einer speziellen Kamera Aufnahmen Ihres erkrankten Gelenks gemacht.
Wie wird die RSO durchgeführt?
Die Haut über dem zu behandelnden Gelenk wird desinfiziert und manchmal örtlich betäubt. Dann führt der Nuklearmediziner unter sterilen Bedingungen eine Punktionsnadel ins Gelenk ein. Sollte der Patient einen großen Gelenkerguss haben, wird dieser zunächst abpunktiert. Anschließend wird die vorbereitete radioaktive Substanz direkt in die Gelenkhöhle gespritzt. Zumeist wird die Nadel mit einem Kortisonpräparat nachgespült, was die Entzündung im Gelenk zusätzlich beruhigt. Zuletzt wird die Punktionsstelle mit einem sterilen Wundverband abgedeckt. Häufig wird noch eine Schiene angelegt, um das behandelte Gelenk ruhigzustellen.
Was müssen Sie nach der RSO beachten?
Nach der Therapie muss das behandelte Gelenk unbedingt 48 Stunden ruhiggestellt werden. Wurden Gelenke am Bein therapiert, ist für diesen Zeitraum nur der Gang zur Toilette erlaubt. Nach der RSO dürfen Sie selbst kein Auto steuern. Weiterhin sollte das Gelenk noch 1-2 Wochen geschont werden. Zusätzlich kann eine Thrombosevorsorge notwendig sein.
Wann können Sie mit einer Besserung rechnen?
Manche Patienten spüren bereits nach wenigen Tagen eine deutliche Besserung. Bis die Entzündung der Schleimhaut aber zurückgegangen ist, vergehen ja nach Gelenk rund 2-6 Monate. Die volle Wirkung der RSO entfaltet sich also erst nach und nach. Der Arzt wird dies bei einer Nachsorgeuntersuchung 3-6 Monate nach der RSO beurteilen können.
Warum müssen Sie den RSO-Termin strikt einhalten?
Das für die Therapie ausgewählte Radionuklid wird speziell für Sie angefertigt. Es hat nur an dem mit Ihnen vereinbarten Behandlungstag die für Sie festgelegte, erforderliche Aktivität. Durch die kurze Halbwertszeit können die RSO-Präparate an einem späteren Tag als vereinbart nicht mehr eingesetzt werden. Bitte halten Sie sich daher unbedingt an den Termin.